Althuus-Familie

Althuus-Familie

Eine einfache Familie vor 150 Jahren

Begegnen Sie der Bauernfamilie und ihrem Gesinde in den Stuben und Wirtschaftsräumen und lassen Sie sich ihre Geschichten erzählen. Tauchen Sie ein in die Welt vor 150 Jahren und geniessen Sie mit allen Sinnen die Atmosphäre, die das alte Bauernhaus ausstrahlt. Sie werden vieles erfahren und spüren, dass auch damals das Zusammenleben eine Herausforderung war.

Kläri, die Tante

“Gott grüessech, seid willkommen in diesem altehrwürdigen Haus! Ich bin Jakobs ledige Schwester, ds Tante Kläri. Das Heiraten lag für mich nicht drin. Der Ueli vom Nachbarhof hätte mich zwar gerne gehabt. Aber mein Vater wollte, dass unser Besitz beisammen bleibe. Das nehme ich ihm noch heute übel! Es sagten immer alle, ich sei dumm. Ich kann ja nichts dafür, dass Mueti bei meiner Geburt fast gestorben wäre und ich deshalb ganz blau zur Welt kam.

Ja, unser gutes altes Mueti! Alle waren froh, habe ich es gepflegt, bis es der Herrgott zu sich nahm. Bis fast zuletzt wollte es sich nützlich machen: In der Küche rüstete es das Gemüse, schälte die Kartoffeln und hörte den Jumpferen zu, wenn sie etwas drückte. Uns sieben Kinder hat es gross gezogen. Es hat sein Leben lang zu viel arbeiten müssen und hat sich nie gewehrt. Das mache ich anders: Ich sitze nicht immer aufs Maul. Es ist nicht mehr wie früher, seit Elsi, meine Schwägerin, auf unserem Hof ist! Sie will jetzt überall regieren. Aber um Hanf und Flachs kümmere ich mich und leite die Jumpferen an beim Rösten und Brechen. Wir verspinnen alles selber und weben Stoffe für unsere Kleider und Bettwäsche. Nähme mich wunder, wie das herauskäme, wenn Elsi dazu schauen müsste. Die hat ja für nichts Zeit!

Auch an der Sichlete weiss ich besser Bescheid als die Meistersfrau. Da dürfen alle teilhaben: die Knechte, die Jumpferen, die Taglöhner und deren Familien, aber auch die Armen aus dem Dorf. Es darf an nichts fehlen, sonst spricht man schnell schlecht von uns. Das können wir uns nicht leisten. Seit das Mueti nicht mehr ist, muss ich oft auch zu den Kindern schauen. Langsam wird es mir zu bunt…. Aber kommt und schaut selber!”

Elsi, die Bäuerin

“Gott wilche im Spycher! Ich bin Elsi, die Bäuerin. Hier könnt ihr sehen, dass bei uns gut gewirtschaftet wird. Ichbin stolz, als Meistersfrau den Schlüssel zu einem so reichen Spycher zu besitzen. Eigentlich zeige ich nicht einmal meiner lieben Nachbarin unsere Vorräte.

Mit meinem ganzen Trossu bin ich damals eingezogen bei meinem Liebsten. Es war nicht einfach zuerst, mit meiner Schwiegermutter in derselben Küche. Meine Mutter macht vieles so anders! Aber schlussendlich war das Grossmueti froh, als ich das Zepter übernahm. Letztes Jahr ist es an Schwindsucht gestorben. Zum Glück muss ich nicht alles selber machen. Das Änni ist mir meist eine flotte Oberjumpfere. Sie muss die jüngeren Jumpferen anleiten. Manchmal ist sie etwas launisch und widerspricht mir. Aber meist arbeiten wir Hand in Hand. Es gibt gar viel Arbeit! Im Frühjahr haben wir alle Hände voll zu tun im Garten und in der Pflanzig. Im Sommer und Herbst kommen Heuet und Ernte dazu.

Unter meiner Aufsicht ist auch der Schweinestall. Ich gebe mir grosse Mühe, dass unsere Schweine fett werden bis im Winter. Es soll niemand sagen, ich hätte meine Schweine nicht recht gefüttert. Alle drei Wochen ist Backtag. 10 bis 15 Mäuler essen viel Brot! Fürs Kneten braucht es die Stärksten. Früher machte ich das gerne selbst. Jetzt, da ich immer ein Kleines an der Brust habe oder in Hoffnung bin, fehlt mir die Kraft dazu.

Jetzt muss ich aber rasch im Haus zum Rechten schauen! Sonst spielt sich das Kläri, meine Schwägerin, als Meisterin auf. Sie erzählt viel, wenn der Tag lang ist.”

Jakob, der Bauer

“Ich heisse Jakob und bin hier der Meister. Ich bin der Jüngste von vier Brüdern. Deshalb konnte ich den Hof von meinem Vater übernehmen. So will es die Tradition hier. Meine Brüder mussten weg, wenn sie nicht ihr Leben lang als Knecht bei mir dienen wollten.

Ich bin verantwortlich für Hof, Feld und Stall. Ich verteile die Arbeit. Es stehen sechs Pferde, zwei Füllen und vier Ochsen im Stall. Dazu haben wir zwei Milchkühe mit ihren beiden Kälbern. In der Hostet weiden die Schafe. Ja, unser Hof ist gross und weit herum bekannt. Gut, dass ich eine tüchtige Frau gefunden habe! Elsi zieht am gleichen Strick wie ich und geht haushälterisch um mit Hab und Gut. Dazu hat es auch ein schönes Weibergut mitgebracht.

Arbeit gibt’s genug! Auf dem Feld bauen wir Raps, Roggen, Gerste, Dinkel, Weizen, Wicki und Baschi an. Auch Hafer für die Pferde. All die Tiere müssen im Winter was zu fressen haben. Heu und Emd können wir in guten Sommern manch grosses Fuder eintun. Da helfen jeweils die Guggisberger, Tagelöhner aus dem Schwarzenburgerland, für drei bis fünf Wochen.

Für mein Amt als Unterstatthalter brauche ich auch viel Zeit. Von Amtes wegen schlichte ich Streitereien und schreibe Verträge. Kürzlich ist der Moosrüedu verlumpet! Das kam mir sehr gelegen: Sein Stück Land am Bach unten fehlte mir noch gerade. Nun gibt es Neider links und rechts.

Ich muss jetzt schnell im Rossstall vorbei. Hänsu ist mir zu freigiebig mit dem Hafer für die Pferde. Dem muss ich einen Riegel schieben. Was ich dem immer auf die Finger schauen muss!”

Hänsu, der Karrer

“Ich heisse Hänsu und arbeite bereits im zehnten Jahr auf diesem Hof als Karrer. Ich war schon beim Vater des Meisters angestellt. Mein Stolz sind unsere Pferde, die ich jeden Morgen putze. Dann füttere ich sie reichlich. Nur wohlgenährte Pferde arbeiten zuverlässig. Deshalb schaue ich gut, dass sie genügend Hafer erhalten, was mir der Meister ab und zu vorhält… Zudem trägt die Lise wieder. Ich hoffe, dass sie ein hübsches Fülli wirft wie letzten Frühling. Auch die Lise und der Fuchs sind aus eigener Zucht. Da weiss man, was man hat!

Am Pferdemarkt haben wir die alte Fanni verkauft. Die hat einen guten Preis eingebracht. Niemandem sagen: Ich habe ihr Pfeffer unter den Schwanz gestäubt, damit sie etwas schneller geht. War das immer ein lahmes Tier! Immer wenn ich Zeit habe, schmiere ich alle Geschirre und poliere die Schellen. Auch die Kummete brauchen Pflege. Da darf mir niemand dreinreden. Und die Wagen müssen in Stand gehalten werden. Der Meister überl.sst mir auch das Pflügen.

Eigentlich hätte ich alles, um ein guter Meister zu werden. Unter uns gesagt: Das Stini gefiele mir … Aber ein Hof fehlt mir. Als Ältester habe ich das Nachsehen. Und sowieso: Mein Elternhaus ist letztes Jahr abgebrannt, weil der Blitz eingeschlagen hat. Zum Glück konnten sie das Vieh retten. Es steht jetzt bei den Nachbarn im Stall. Niemand weiss, wie es weitergehen soll… Meine Mutter lebt bei ihrem Bruder, der Vater auf dem Nachbarhof und meine jüngsten Geschwister sind verteilt worden.

Ich liebe es, wenn etwas läuft auf dem Hof; wenn ein Gewitter droht und wir noch möglichst viele Fuder unter Dach bringen wollen; oder wenn ich am Abend noch das Tanzbein schwingen kann nach einer Nuss-Chnütschete.”

Stini, die älteste Tochter

“Grüss Gott, ich bin Stini, die Älteste. Heute sind wir wieder am Handarbeiten. Bei diesem Wetter geniesse ich es sehr, mit den andern zusammen in der warmen Stube zu sitzen. Manchmal singen wir eines, und sonst weiss immer jemand etwas zu erzählen. Spannend ist es, wenn die Näherin auf die Stör kommt und uns das Neuste aus der Gegend berichtet.

An den Abenden sitzen wir oft alle beim Apfelrüsten, Bohnenabfädeln oder Nüsseknacken. Da nimmt Tante Kläri die Zither und spielt. Den Knechten wäre natürlich eine richtige Tanzmusik lieber als der frömmelnde Singsang, wie sie sagen. Die wären jeden Tag für eine Stubete zu haben! Seht, dies alles wird mein Trossu sein: Leintücher, Tischdecken, Küchenw.sche, alles aus eigenem Leinen! Wir arbeiten seit drei Jahren daran. Auch ein Bett steht schon bereit. Jetzt kann dann ein Chilter kommen. Ich nehme aber nicht jeden! Der Karrer macht mir schöne Augen. Er ist mir aber zu alt und hat keinen eigenen Hof.

Ich werde erst heiraten, wenn sich Jugend ankündet. Aber pssst, darüber spricht man nicht! Der Herr Pfarrer ist sehr streng mit uns Jungen und predigt uns, was sich gehört. Er hat uns auch erklärt, dass es Aberglaube sei, zu meinen, wer Schaf-Urin trinke, komme nicht in gute Hoffnung. Trotzdem freue ich mich jeden Sonntag auf den Kirchgang, da sehe ich meine Freundinnen und eben auch die Burschen.

Der Grossvater meint, ich solle den Heiri von ob dem Holz nehmen, der habe einen schönen Hof. Das Sternen-Urseli hat mir aber zugeflüstert, er prahle in der Wirtschaft mit seinem Geld, springe jedem Frauenbein nach und trinke ab und zu über den Durst. Der macht mir Angst, den will ich nicht! Und überhaupt wünsche ich mir einen schönen Mann, dessen Heimet an der Hauptstrasse steht und nicht irgendwo, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.”

Änni, die Oberjumpfere

“Ich heisse Änni und bin schon lange auf dem Hof. Ich habe als Oberjumpfere viel Verantwortung und gäbe eine perfekte Meisterin. Manchmal träume ich von einem Mann mit einem schönen Hof. Ich arbeite gerne, vor allem, wenn ich den Jumpferen befehlen kann. Am besten gefällt mir die Gartenarbeit im Sommer. Da sorgen wir schon für den nächsten Winter vor: Ob wir heuer wohl genügend Vorräte unter Dach bringen, so dass wir im Brachmonat Juni nicht hungern müssen?

Am liebsten habe ich es, wenn die Männer weit weg auf dem Feld sind. Der Erdknecht stellt mir immer nach. Der gefällt mir gar nicht. Er ist ein richtiger Söiniggel und wäscht sich nie. Manchmal rieche ich ihn kommen! Lieber hätte ich, wenn der Karrer etwas freundlicher zu mir wäre. Doch der hat es auf die Tochter des Hauses abgesehen. Die bekommt aber sicher einen Besseren. Wann merkt er das endlich?

Ich habe es meist nicht schlecht hier; und am Ende des Jahres schaut wohl wieder ein Extrabatzen heraus. Jetzt will ich in den Keller, um Most und Brot für das Zvieri zu holen. Dort in der Kühle bleiben Gemüse und Obst, der Suurchabis und die Härdöpfu lange gut. Wenn Besuch hereinschneit, können wir immer etwas Feines auftischen.

Im November haben wir Metzgete, da kommt jeweils ein feisses Söili dran. Wenn wir Glück haben, bleiben uns noch Würste bis gegen den Frühling. Die Hamme sparen wir bis zur Taufe von Bänzli. Hoffentlich kommen die Fliegen nicht dahinter. Letztes Jahr war die Hamme voll Maden… Wäääck, da habe ich nicht einen Mund voll probiert!”

Peter, der Grossvater

“Ja, ja, die Zeiten ändern sich! Da sitze ich heute als Grossvater Peter. Auf die Alten hört man nicht mehr. Die Jungen wollen alles besser wissen! Zum Beispiel das mit dieser modernen Düngerei. Das kommt sicher nicht gut, ich habe den Jakob gewarnt. Mehr kann ich nicht machen. Ich habe ja den Betrieb an ihn abgegeben. Dafür habe ich jetzt Zeit für meine gefreuten Enkelkinder. Vor allem das Meieli ist mir ein ganz tüchtiges Meitschi. Das gibt einmal eine feine Schwieger-tochter für einen stolzen Bauern.

Ich sitze jetzt im Winter am liebsten auf der Ofenbank und erzähle den Kindern von früher. Letzthin habe ich ihnen berichtet, wie unser Haus 1702 verbrannte. Man sagt, eine Jumpfere habe es angezündet. Sie war kurz vorher weg gejagt worden, weil sie es mit dem Erdknecht zu weit getrieben hatte. Am liebsten erzähle ich Gespenstergeschichten und bringe damit die Frauenzimmer zum Göjsse! Auch Märchen kenne ich, die hat mir mein Grossvater erzählt.

Im letzten Winter bin ich vor dem Haus ausgerutscht und habe meine Schulter verletzt. Seither schmerzt sie mich. Die Kräuterfrau hat mir eine wärmende Salbe gegeben. Der Doktor hält nichts davon. Er habe genug von den Quacksalbern, die ihm ins Handwerk pfuschten… Nur eben, er gibt mir ja keinen besseren Rat.

Das Kläri meint nun, das sei die Strafe dafür, dass ich ihr vor dem Heiraten stand. Aber sie kann ja weder haushalten noch sonst rechnen und wäre nur ausgenützt worden oder dann mit dem Hof verlumpet… Nur mit Zitherspielen überlebt man nicht!”

Rösi, eine Jumpfere

“Ich heisse Rösi. Im Winter sitzen wir Jumpferen oft in der warmen Stube unten und spinnen den Flachs, den wir im Herbst mit Tante Kläri geröstet und gebrochen haben.

Dann winden wir das Garn. 350 Umgänge hat eine Strange. Im Luzernischen sind es weniger. Die versuchen in Bern auf dem Markt, ihre Strangen zum selben Preis zu verkaufen wie wir unsere grossen. Zum Glück lassen sich unsere Kundinnen nicht übers Ohr hauen! Bei der Oberjumpfere habe ich spinnen gelernt. Jetzt kann ich es schon bald so gut wie sie. Nur ab und zu verliere ich den Faden. Ich spinne gerne im Winter. Dazu hüte ich die Kleinen. Wenn ich nicht aufpasse, können die ein schreckliches Gnusch machen!

Hier im Schlafgaden ist es kalt, es zieht halt durch. Und man ist nie recht sicher vor den Nachtbuben. Nur mein heimlicher Schatz dürfte kommen. Doch wo sollten wir uns treffen? Überall hat es gwundrige Augen. Nichts verraten, das ist ein Geheimnis! Doch muss ich auf der Hut sein. Man hört schreckliche Geschichten von ledigen Müttern, die aus Verzweiflung ihr Kind umbringen, weil sich der Vater aus dem Staub gemacht hat.

Gestern hat uns Nachbars Trine gemeldet, das Liseli im Dorf sei am 6. Kind gestorben, oh je… Hoffentlich geht bei unserer Meisterin alles gut. Sie ist auch wieder in Hoffnung. Ich möchte ein Mädchen, das uns bald zur Hand gehen kann. Buben sind im Haus zu nichts zu gebrauchen.

Warum erhalten eigentlich die Knechte doppelt so viel Lohn wie wir Jumpferen? Wenn die abends längst vor dem Haus sitzen und Pfeife rauchen, arbeiten wir noch in der Küche. Und wann hätten wir Zeit, ins Wirtshaus zu sitzen? Sogar für den Predigtgang müssen wir uns abwechseln.Immerhin helfen sie uns an den zwei Waschtagen im Jahr: Sie bringen die grossen Büttinen und spannen die Wäscheleinen. Wir Frauen sind dann aber vom Morgen früh bis am Abend spät am Werk.”

Fridu, der Erdknecht

“Ich heisse Fridu und komme aus dem Emmental. Manchmal habe ich Heimweh nach unseren Hügeln. Hier ist alles so flach. Ich bin schon als Kind weg gekommen von meiner Familie. Es gab nicht genügend zu essen zu Hause. Wir waren zwölf Geschwister. Die meisten mussten weg. Ich diente an verschiedenen Orten und kenne gute und schlechte Meister. Ich habe gelernt, worauf man achten muss, wenn man eine neue Stelle sucht. Wir Knechte kennen die verschiedenen Höfe und ihre Herrschaften! Wir erzählen weiter, wie es uns ergangen ist, ob die Meisterin geizig ist, der Meister faul. Das hört man auch auf den Dienstbotenmärkten. Man weiss, wer recht auftischt zu Neujahr und an der Sichlete. Da wollen wir essen bis fast zum Platzen, ganz zum Ärger der Meisterleute!

Aber eben, die haben es ja auch nicht immer einfach: Es gibt aller Gattung Gesinde! Solche mit zu langen Fingern, andere mit zu grossem Durst, Langsame, deren Maul aber wie geschmiert läuft; andere wiederum sind jähzornig oder haben eine zu heisse Liebe!

Wenn du einmal einen schlechten Ruf hast, bringst du ihn nicht wieder weg. Da gibt es nichts anderes als fort, weit fort! Manche wollen in Amerika reich werden, wie sie plagieren. Der Resu ist gegangen. Er sei fast gestorben auf dem Meer. Jetzt diene er einem reichen Herrn und müsse schaurig unten durch… Da bleib ich lieber, wo ich bin und weiss, was ich habe.

Auf dem Feld macht mir niemand etwas vor. Keiner weiss besser als ich, wann es Zeit ist, auszusäen. Und im Winter geht es ins Holz. Das ist harte Arbeit. Ich schwinge das Beil wie kein anderer. Ich bin ein tüchtiger Kerl, das sieht man mir doch an! Sonst fragt das Änni, das hol ich mir bald als Braut!”

Meieli, ein Kind

“Ich bin traurig, dass das Grossmueti in den Himmel musste… Es sagte immer, wir hätten Gesichter wie Blumen, und etwas von Quelle der Freude und Hoffnung. Was es damit wohl meinte? Das Grossmueti hatte mich sehr lieb, es hatte immer Zeit für uns, der Vati nie.

Der Grossvati weiss viel von früher. Er hat uns erzählt, dass unser Haus neu sei. Das Alte sei abgebrannt. Seither habe ich Angst beim Einschlafen. Zum Glück kann ich mit Vati im grossen Bett schlafen. Mueti liegt mit dem Bänzli hier im Stübli, damit er auch in der Nacht trinken kann. Ich habe drei Brüder und eine Schwester. Stini, die Älteste, ist schon gross. Sie spricht jeden Tag vom Heiraten.

Mueti meint dazu, ganz wichtig sei eine liebe Schwiegermutter. Das sei Wybergschwätz, findet der Grossvati, wichtig sei doch, dass die Höfe zusammenpassten. In letzter Zeit mag der nicht so recht und ist immer rumpelsuurig. Letzthin war der Doktor hier. Hoffentlich stirbt der Grossvati nicht auch. Das Grossmueti hätte zwar sicher Freude, wenn es nicht so alleine sein müsste im Himmel…

Ich helfe dem Mueti immer die Hühner füttern und darf sogar ein paar Eier ausnehmen. Im Frühjahr wird das Körbli jeden Tag voll, aber im Winter gibt es gar keine. Jetzt dürfen die Hühner nur noch auf dem Hof umherlaufen. Beim Haus haben wir nämlich neu eine Sommertüre, damit sie nicht mehr in die Küche spazieren und alles verscheissen. Potz, da hättet ihr jeweils das Änni hören sollen – und wie darauf die Hühner durch den Gang nach draussen flatterten!

Dem Änni helfe ich gerne. Mueti sagt zwar, das Änni sei oft eigenwillig und streitsüchtig. Aber mit mir spricht es schon wie mit einer jungen Frau. Das macht mich stolz! Es möchte gerne heiraten. Aber es nimmt nicht jeden. Das finde ich gut.”

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